Historisches zum Tiefdruck (Radierung)
Druckverfahren sind eine Erscheinung der Neuzeit. Das Mittelalter kannte keine gedruckten Schriften und Bilder. Die älteste bekannte Radierung stammt aus dem Jahr 1446, also noch kurz vor der Buchdruck-Erfindung durch Johannes Gutenberg (1452). In den folgenden Jahren und Jahrhunderten wurde die Druckgrafik vor allem in der Buchillustration sehr wichtig. Seit der Industrialisierung hat sie im Alltag keine Bedeutung mehr und lebt nur noch in den Künstler-Ateliers weiter. Die meist kleinen Auflagen von kaum 10 Stück und die komplette manuelle Herstellung machen sie zu kostbaren, aber erschwinglichen Sammlerstücken.
Das Verfahren
Die Radierung ist ein Tiefdruckverfahren. In eine Metallplatte (meist Kupfer) werden Vertiefungen eingebracht. Die gesamte Platte wird dann mit Farbe eingewalzt. Mit Wischtüchern und von Hand muss die gesamte Farbe von der Plattenoberfläche wieder entfernt werden, so dass nur noch in den Vertiefungen Farbe ist. Ein Büttenpapier draufgelegt und das ganze unter hohem Druck durch die Druckerpresse gedreht und schon liegt eine manuelle Druckgrafik vor. Gedruckt wird also, was in der Platte eingetieft ist. Aber wie entstehen diese Eintiefungen?
Am einfachsten ist die Kaltnadel-Radierung. Mit einer geschärften, spitzigen Radiernadel kann direkt in die Kupferplatte gezeichnet werden. Dabei gräbt sich die Nadelin das weiche Metall ein und die Zeichnung wird in die Platte hineingekratzt. Manchmal gleitet die Nadel nicht immer genau dort durch, wo der Zeichner den Strich haben möchte, da das Metall der Nadel einen sperrigen Widerstand entgegensetzt. Dafür bleibt an den aufgeworfenen Graten entlang der Linien mehr Farbe hängen, so dass die gedruckte Zeichnung meist sehr lebendige Linien aufweist.
Die Ätzradierung
Entgegen dem rein mechanischen Kaltnadel-Verfahren, wird bei der Ätzradierung eben chemisch geätzt. Zuerst wird die Kupferplatte mit einem harten, säurefesten Lack überzogen. Mit der Radiernadel oder anderen Werkzeugen, kann nun ganz leicht in den Lack hineingezeichnet werden. Dabei wird das darunterliegende Kupfer freigelegt. Ist die Zeichnung fertig, wird die Platte für einige Zeit in ein Säurebad gelegt. Die Säure frisst sich an den freigelegten Stellen in das Kupfer hinein. Der Lack wird abgewaschen und die Zeichnung erscheint nun als von der Säure zerfressene Vertiefung in der Platte und kann wie oben beschrieben gedruckt werden. Dieses Verfahren erzeugt Linienarten, wie sie beim zeichnen mit Kugelschreibern entstehen
Vernis mou
Die Kupferplatte wird mit einem klebrigen weichen Lack überzogen. Darauf ein dünnes Papier gelegt, auf das gezeichnet wird. Der Stift oder die Kreide pressen das Papier in den klebrigen Lack. Wenn die Zeichnung fertig ist, wird das Papier von der Platte weggerissen. An den bezeichneten Stellen bleibt der klebrige Lack am Papier hängen, das Kupfer darunter wird freigelegt, kann geätzt werden und die Druckplatte ist fertig. Dieses Verfahren liefert Zeichenspuren, wie von Kreide oder von Bleistift.
Aquatinta
Die bisherig geschilderten Verfahren können nur Linien erzeugen. Mit dem Aquatinta-Trick können auch Flächen in unterschiedlicher Stärke geätzt werden. Dabei kommt Harzstaub und eine Gasflamme zum Einsatz.
